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Mittwoch, 8. Oktober 2025

Öl, Öldruck, Ölviskosität, Ölhaltbarkeit - Worüber man so nachdenkt

Mit Beginn meiner Begeisterung für den Austin Seven plagte mich auch schon immer die Frage, was man im Alltagsbetrieb falsch machen könnte, und so ein perfekt funktionierendes Fahrzeug zu gefähreden oder zu schädigen. In erster Linie betraf das immer das Öl.

Die Wahl des Öls

Vor der Restaurierung – also vor rund 32 Jahren – kam noch legiertes 20W-50 in den Motor. Nach der Restaurierung verblieb es dabei, denn der Motor war komplett gereinigt worden, die Ölrückstände waren entfernt, und es bestand keine Gefahr, sich diese durch die Reinigungslegierungen wieder in den Ölkreislauf zu pumpen. Ein fatales Problem, denn die Rückstände verstopfen die Kanäle, und eine Schmierung wäre nicht mehr gegeben.

Irgendwann wurden dann die Rufe lauter, dass man aufgrund der verbauten Metalle im Motor gänzlich auf legiertes Öl verzichten solle. So muss es vor rund 20 Jahren passiert sein, dass das Fahrzeug nur noch unlegierte, klassische Motoröle erhielt. War es zu Beginn noch Castrol, wechselte man irgendwann zu Miller und danach zu Rowe.

Für alle Wechselwilligen und Bedenkenträger empfiehlt sich der Artikel der Zeitschrift Oldtimer-Markt hat getestet und da ist einiges Interessantes zu finden. Erstens müssen die Öle für Vorkriegsautos nicht teuer sein und dann gibt es auch noch erhebliche Unterschiede.

Der Öldruck

Schon früh hielt ich mich an die Regel, dass – egal, wie viele Kilometer pro Jahr gefahren worden waren – das Öl am Ende der Saison gewechselt wurde. Kompromisslos, denn was sind schon 20 Euro für einen Ölwechsel, wenn er die Instandsetzung eines geschädigten Motors ersetzen kann?

Eine weitere Regel, die ich penibel beachte, war der im Handbuch angemahnte Blick auf den Öldruckmesser. Denn:
„Das Manometer wird den höchsten Druck kurz nach dem Starten, bei noch kaltem Motor anzeigen. Ist das Öl des warmgelaufenen Motors flüssiger geworden, so kann der Öldruck ziemlich stark – bis zu 1 lb – fallen. Dies genügt jedoch, da das Öl in Umlauf ist.
Eine Hemmung im Ölumlauf während des Fahrens zeigt sich durch eine plötzliche Druckerhöhung am Manometer an. Diese vom normalen Zeigerstand völlig abweichende Stellung kann sofort bemerkt werden, sodass man für umgehende Beseitigung der Störung Sorge tragen kann.“
Genau so verhält sich im Prinzip auch das Manometer. Allerdings sind die Angaben vage, denn die Zeit, bis der Motor warm ist, und die Zeit, bis der Druck auf fast null fällt, sind sehr unterschiedlich.

Noch problematischer wird es, wenn Öle unterschiedlicher Viskositäten verwendet werden, wie dies aufgrund von Ermangelung von SAE 40 bei mir der Fall war. 

Das Öl sollte immer der Jahreszeit angepasst sein, ansonsten kann es zu flüssig oder zu zäh sein. Wie sehr dies schon bei der Verwendung eines SAE 40 im Vergleich zu einem SAE 20W-50 zu Unterschieden führt, zeigt folgende Darstellung. Die Ausgangslage war in beiden Versuchen dieselbe. Die Außentemperatur betrug ca. 12°C, der Motor war beim Losfahren gleich kalt, die Ölmenge identisch.

Oil pressure Austin Seven when using different oil viscosities, SAE 40 versus SAE 20W-50
Für mich und mein Fahrzeug heißt dies nun, dass ich beim Einbereichsöl bleibe und mich mit den mir bekannten Werten wohlfühle... Never change a running system!

Immer schön sauber halten - Ölkanäle

Was nutzt das beste Öl, die größte Vorsicht beim Ölstand, wenn das gute Schmiermittel nicht die entscheidenden Stellen erreicht. Der Austin Seven verfügt über eine Pumpe, die mittels Kanälen und zweier Düsen das Öl an die 4 Lager der Kurbelwelle bringt. Diese müssen sauber sein und dazu hat der Seven zwei Schrauben - sehr unzugänglich - die nach Entfernen den Zugang zu den zwei Öldüsen freigeben. Mithilfe eines Drahtes - das Handuch spricht von 1/16'', also 1,588 mm Durchmesser - kann man die Düsen freistechen. Da meine größte Sorge ist, dass beim Herumhantieren ein Draht abbricht, steckenbleibt oder Schaden anrichtet, verwende ich Gitarrensaiten, die für die Düse steif genug, für die Kanäle flexibel und reinigend sind. Die Belastbarkeit des Materials ist beeindruckend, die Länge verhindert ein Abrutschen, die Öse am Ende der Saiten schützt zusätzlich.

Austin Seven Ölschraube für die Öldüse
Entfernte Schraube für die vordere Öldüse

Austin Seven Schlüssel zum Entfernen der Ölschraube der Öldüsen und geeignete Gitarrensaiten für die Reinigung der Kanäle und der Öldüsen
Passender Schlüssel und Gitarrensaiten für die Reinigung der Düsen und Kanäle


Haltbarkeit - nie darauf geachtet

Dass ich diesen Beitrag überhaupt verfasse, ist ein wenig der Tatsache geschuldet, dass ich meinte, einen Überblick über meine Ersatzteile zu haben. Ein Trugschluss, denn die Verwendung des ansonsten nicht eingesetzten 20W-50 ergab sich daraus, dass ich glaubte, kein SAE 40 mehr zu besitzen. Nachdem ich die erste Probefahrt gemacht hatte, die die interessanten Unterschiede beim Öldruck (siehe oben) zutage förderten, räumte ich die Garage um bzw. auf und eine braune Umverpackung lächelte mich an. Ich hatte keine Ahnung, was diese enthalten könnte. Es war ein Kanister SAE-40. Beim Entpacken fiel mir zum ersten Mal auf - vielleicht wurde es mir überhaupt zum ersten Mal bewusst - dass Öl auch ein BB-Aufdruck hat, ein "Best Before", also ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Dies ließ mich meine Vorräte erneut sichten und so sortieren, dass der "alte Kram" zuerst verbraucht wird. Dass das Öl nach dem Anbrechen auch nur noch ein halbes Jahr verwendet werden soll, ist für mich in der Praxis nicht umsetzbar. Daher setze ich mir folgende Ziele: Kaufen wenn Bedarf besteht. Angebrochenes verbrauchen. Keine Panik, wenn die ersten Ziele nicht verfolgt werden können... Es ging schon 36 Jahre gut, aber... ich werde darauf achten.

Donnerstag, 3. November 2022

Schmiernippel... Was bei einem John Deere passt, geht auch für einen Austin Seven?

 Beim regelmäßigen Schmieren kommt die Fettpresse zum Einsatz. Diese hat Kraft und wird deshalb auf die speziellen Schmiernippel aufgesteckt. Das Entfernen der Presse bedarf Kraft und so kam es schon häufiger vor, dass die eingepressten Düsen der Nippel aus dem Rest des Nippels herausrissen. Eigentlich gar nicht schlimm, wenn alle Nippel die gleiche Größe - sprich Gewinde - hätten, aber leider gibt es an diesem Fahrzeug einen kleinen Nippel, de nicht durch meinen angelegten Fundus an Ersatzteilen abgedeckt werden konnte. Auch die einschlägigen Anbieter für Austin Seven Ersatzteile halfen mir da nicht weiter. Ein Tipp von einem anderen Seven-Enthusiasten brachte mich zu John Deere und so stiefelte ich zu einem lokalen Händler... Tatsächlich! Der Schmiernippel (bei mir im Schmierplan als L5 bezeichnet) kann unter der Bestellnummer 5/JD7788 1/4''-28 Taper 45° Angle bezogen werden. 

John Deere grease nipple for an Austin Seven front axle
John Deere grease nipple for an Austin Seven front axle

Das einzige Problem besteht in der Tatsache, dass der Schmiernippel wohl 28 tpi (turns per inch) hat (UNF) und nicht 26 (BSF). Ein Sachverhalt, der nun über eine Bestellung eines weiteren Schmiernippels erforscht werden muss. Man lernt nie aus! 


Dienstag, 24. September 2019

Gut gemeint und schlecht gemacht

Pflege ist gut, aber gut gemeint ist nicht immer gut. So war es auch, als ich 2011 mal wieder den Ölstand des Getriebes kontrollieren und nachfüllen wollte. Ich entnahm die etwas hakelige Schraube und zögerte, denn wie füllt man an einer sehr schwer zugänglichen Stelle Öl nach, ohne den Wollteppich zu versauen? Also, ich hatte da so eine Idee, die mir Angstschweiß verursachte und dem Technik-Guru des Clubs die Tränen in die Augen trieb... vor Lachen.

Ich kam auf die Idee, dass eine sehr große Spritze aus der Apotheke samt eines passenden Schlauchstücks aus dem Baumarkt eine perfekte Befüllungshilfe darstellen sollte. Was ich nicht bedachte, dass der Schlauch auf die zuvor bereits fettige Spritze aufgesetzt sehr leicht abrutschen könnte.... Könnte... Kann... er rutschte ab und ich sah dem Stück Plastik zu, wie es im Getriebe verschwand. Langsam aber unaufhaltsam. Sämtliche Versuche, ob mit Draht, speziellen Zangen und Holzstäbchen, scheiterten. 

Ich rief den Technik-Guru an und in meiner Verzweiflung sprach ich den magischen Satz, der in meiner Not die Gegenseite zu Tränen rührte (Tränen des Lachens!): "Ich hab das Ding reingesteckt und dann ist der Gummi abgerutscht!"... Nun gut, in der Retrospektive in der Tat etwas anrüchig, aber faktisch richtig. 
Ich mache es kurz... Das Getriebe muss geöffnet werden.
Der Deckel samt Getriebehebel und die Spritze ohne Schlauchstück (dies befand sich im Getriebe)
Das freigelegte und geöffnete Getriebe

Das freigelegte und geöffnete Getriebe

Das freigelegte und geöffnete Getriebe

Nach wenigen Minuten ist die Ursache für die Aktion aus dem Getriebe gefischt - das Schlauchstück ist aus dem Getriebe geholt.
Der Deckel wurde dann mit spezieller Dichtmasse versiegelt und geschlossen. Seitdem wird das Getriebe sehr, sehr vorsichtig geölt.... 

Donnerstag, 11. April 2019

Läuft wie geschmiert! - Nur womit?

Immer das Gleiche! Nicht jedes Jahr, aber in fast denselben zeitlichen Abständen - meist vielen Jahren - stellt sich die Frage, welches Öl für den Austin geeignet scheint? Nach der Betriebsanleitung aus dem Jahre 1934 und gültig für das hier thematisierte Fahrzeug soll Castrol XL genutzt werden. Okay! Nur liegen zwischen der Gebrauchsanweiung und den heutigen Bezeichnungen 85 Jahre. Legierte Öle gab es damals nicht und die Viskosität wurde auch nicht angegeben. 

Quelle: www.oldtimer-markt.de Deckblatt der PDF-Broschüre "Für jeden Klassiker das richtige Öl"; https://www.oldtimer-markt.de/www/otm/files/2016/12/fuer_jeden_klassiker_das_richtige_oel.pdfWas habe ich denn bisher so verwendet? Tja, wenn ich das wüsste. Denn der letzte Kanister ist geleert und entsorgt und die alten Unterlagen der letzten Bestellung... es ist zum verzweifeln. 

Vielleicht aber auch eine Chance, ein Neuanfang. Wer sagt denn, dass immer das gleiche Öl, die gleiche Marke so sinnvoll sei? Was sagt denn das Internet?

Sehr gut! Die Zeitschrift Oldtimer-Markt hat getestet und da ist einiges Interessantes zu finden. Erstens müssen die Öle für Vorkriegsautos nicht teuer sein und dann gibt es auch noch erhebliche Unterschiede.

Ich nehme ein gutes Öl, welches gleichwohl auch ein sehr günstiges ist, und versuche es einmal mit der vom Hersteller angegebenen Viskosität. 


Da bin ich mal gespannt, allerdings sind solche Experimente auch immer eine heikle Sache... Wenn's nicht läuft wie geschmiert... Dann lernt man das Fahrzeug aufgrund der anstehenden Instandsetzungsmaßnahmen noch besser kennen...

Der Bericht wird folgen... oder ich berichte über die Folgen!